Business Unit NewTech
Industrielle Lösungen für alternative Antriebe
Der Fokus der Business Unit NewTech liegt auf E-Antrieben und Batteriespeichersystemen sowie Hybrid- und flexiblen Ladelösungen. Das Team ist interdisziplinär aufgestellt. Die „NewTechies“ verteilen sich auf mehrere Standorte: Der neue Campus in Köln bildet das organisatorische Zentrum. Das Tochterunternehmen Futavis in Aachen ist die zentrale Batteriemanagement-Einheit. Die 2025 akquirierte Urban Mobility Systems (UMS) entwickelt und realisiert im niederländischen Oss praxistaugliche elektrische Antriebslösungen. Im Werk in Ulm werden die Batterien produziert. Damit verfügt die Unit NewTech über eine starke technologische Basis und beste Voraussetzungen, um sich zu einem der führenden Anbieter von Elektrifizierungslösungen für mittelgroße und größere OEMs zu entwickeln.
Zwar blieb die Nachfrage nach alternativen Antrieben im Jahr 2025 hinter unseren Erwartungen zurück, trotzdem sind wir optimistisch, dass dieser Zukunftsmarkt absehbar in Schwung kommen wird. Die Frage ist nicht, ob sich alternative Antriebe im Off-Highway-Bereich durchsetzen, sondern wann, in welchen Anwendungen und wo zuerst. Schon jetzt sorgen steigende regulatorische Anforderungen, veränderte Kundenbedarfe und die anstehende Dekarbonisierung im Off-Highway-Segment für ein spürbar wachsendes Interesse an E- und Hybridantrieben. Zugleich werden Investitionsentscheidungen derzeit nur zögerlich getroffen. Gründe dafür sind die wirtschaftliche Lage, hohe Systemkosten und die noch nicht flächendeckend verfügbare Lade- und Energieinfrastruktur. Dennoch: Der Markt ist in Bewegung und die positive Resonanz auf Produktpräsentationen der NewTech-Unit auf Messen wie der Bauma oder der Agritechnica zeigt, dass wir auf dem richtigen Weg sind.

Technologiesprung mit UMS
Wir investieren konsequent weiter in den Aufbau von NewTech-Know-how. Die Übernahme des niederländischen Innovationsführers für batterieelektrische Off-Highway-Antriebe UMS im Juni 2025 ist ein klares Signal in den Markt, dass sich DEUTZ als wichtiger Player in diesem Segment etabliert. Die Akquisition verhilft uns zu einem Technologiersprung bei E-Systemen und Hybridisierung und beschleunigt die Forschung und Entwicklung alternativer Antriebe bei NewTech signifikant.
UMS verfügt über hervorragendes technisches Know-how in der Elektrifizierung von Baumaschinen und Material Handling-Anwendungen. Das ist nicht bloß graue Theorie: Das Unternehmen hat schon mehr als 200 Maschinen, darunter Bagger, Radlader und Kräne, erfolgreich elektrifiziert und Lösungen entwickelt, die weit über Pilotprojekte hinausgehen; es verfügt über einen hohen Auftragsbestand und renommierte Kunden.
Die Lösungen von UMS räumen mit dem Vorurteil auf, dass sich E-Antriebe nur für kleine Motoren in niedrigen Leistungsklassen eignen – sie beweisen in der Praxis, dass Anwendungen im Leistungsbereich von deutlich über 100 kW elektrifiziert werden können. Die Elektrifizierungskits von UMS erlauben eine einfache Integration in den vorhandenen Motorraum, ohne aufwändiges, kostenintensives neues Maschinendesign. Das ermöglicht sowohl den Einbau in neue Maschinen an bestehenden Montagebändern als auch ein unmittelbares Nachrüsten, das sogenannte Retrofitting.
Auch die Hybridlösungen von UMS sind hoch innovativ. Derzeit läuft eine Machbarkeitsstudie für Defense-Anwendungen. Konkret geht es darum, Militärfahrzeuge mit einer Hybridlösung auszustatten.
Für DEUTZ ist UMS weit mehr als eine Portfolioergänzung: Die Akquisition liefert die technologische Substanz und praktische Erfahrung, um Elektrifizierung in die industrielle Umsetzung zu bringen, und eröffnet uns den Zugang zu neuen Kunden. Für UMS löst DEUTZ ein strukturelles Problem. Das Scale-up ist bei der Industrialisierung, Skalierung und im Service an Grenzen gestoßen. DEUTZ bringt genau diese Kompetenzen ein: Produktions- und Qualitätsprozesse, globale Servicefähigkeit und ein belastbares industrielles Rückgrat. UMS bleibt mit seinem Team in Oss (Niederlande) verankert und ist als Entwicklungs- und Anwendungskompetenzzentrum für elektrische Systeme vollständig in die Business Unit NewTech integriert.
Systemarchitektur für elektrische und hybride Anwendungen
Das Produktportfolio von NewTech folgt einem klaren Prinzip: Systemdenken statt Komponentenlogik. Dabei stehen die Kundenbedürfnisse klar im Vordergrund. Alle Lösungen werden flexibel an die jeweiligen Anforderungen und Anwendungen angepasst. Dazu gehören elektrische Antriebseinheiten, modulare Batteriesysteme inklusive Batteriemanagement-Software, Lade- und Sicherheitskonzepte sowie hybride Architekturen, etwa in Form von Range-Extender-Lösungen.
Hybridisierung wird immer dann mitgedacht, wenn elektrische Antriebe in puncto Reichweite, Verfügbarkeit oder Infrastruktur an ihre Grenzen stoßen. Generell treibt NewTech die Weiterentwicklung der Systemarchitektur voran, unter anderem mit leistungsfähigeren Hochvolt-Plattformen, schnelleren DC-Ladekonzepten und modularen Batteriesystemen, die auch Wechselbatterie-Ansätze für größere Maschinen ermöglichen.
Wasserstoff-Antriebe: Wir sind startklar
Wasserstoff-Antriebe bleiben ein Thema, sind aber derzeit etwas in den Hintergrund gerückt. Mit dem TCG 7.8 H2 bietet die Business Unit einen kommerziell nutzbaren Wasserstoffverbrennungsmotor. In Peking sind bereits 2024 erste Stromaggregate mit diesen H2-Motoren von DEUTZ in Betrieb gegangen. Aber: Der Markt ist verhalten, weil verlässliche gesetzgeberische Regeln ausbleiben, die Infrastruktur fehlt und die Kosten hoch sind. NewTech richtet seine Aktivitäten an der tatsächlichen Nachfrage aus, das Thema ist also in der Warteschleife. Auch hier gilt: Zieht der Markt an, ist die Business Unit H2-ready und steht sofort mit praxiserprobten Lösungen parat.
Ein starkes Netzwerk
Die Business Unit profitiert bei der Marktbearbeitung von 161 Jahren DEUTZ. Das gute Image, die Glaubwürdigkeit und Industriekompetenz von DEUTZ helfen den NewTechies, mit großen OEMs ins Gespräch zu kommen. NewTech wird im Markt nicht als Start-up, sondern als verlässlicher Partner mit hoch innovativen Lösungen wahrgenommen. Die enge Zusammenarbeit mit den Business Units Engines, Energy, Defense und Service hilft ebenfalls, bei den Kunden zu punkten. Allein das globale Servicenetzwerk und das Skalierungs- und Industrialisierungspotenzial sind echte Assets für – potenzielle – Kunden. Nur ein Beispiel: DEUTZ kann ganze Flotten auf E- oder hybride Antriebe umrüsten und das System gleichzeitig als Kit vorgefertigt an die Linie des OEMs liefern, um eine Skalierung zu ermöglichen. Auch im Service gibt es bereits die passenden Lösungen: das DEUTZ-Service-Tool SERDIA funktioniert sowohl für Verbrennungsmotoren als auch für E-Systeme.
Umgekehrt profitieren DEUTZ und ihre Business Units von NewTech: Die Unit erschließt neue Kundengruppen, Kontakte und Anwendungen. Diese Vernetzung stärkt das Gesamtportfolio und ist ein zentraler Baustein der Dual+-Strategie, mit der sich DEUTZ breiter und resilienter aufstellt.
NewTech steht für einen langfristigen Transformationspfad. Elektrifizierung, Hybridisierung und alternative Antriebe werden sich im Off-Highway-Bereich in den nächsten Jahren schrittweise etablieren. Mit der klaren organisatorischen Aufstellung, der Integration von UMS und dem Fokus auf Industrialisierung und Marktreife gestaltet die Business Unit NewTech diesen Wandel aktiv mit.

INTERVIEW
Was war 2025 der wichtigste Schritt für NewTech?
Bert van Hasselt, Head of Business Unit NewTech: Ganz klar die Übernahme von UMS. UMS ist der nächste Schritt in der Entwicklung des NewTech-Geschäfts. Mit diesem Kauf erweitern wir nicht nur unser Produktportfolio, sondern bekommen auch Zugang zu einem komplett neuen Kundensegment, sowohl im Baubereich als auch bei Material-Handling-Anwendungen oder perspektivisch im Agrarsegment.
Warum ist Elektrifizierung im Off-Highway-Bereich so anspruchsvoll?
Jan Rénevier, Senior Manager, Business Development NewTech: Weil die Anwendungen unterschiedlich sind. Es gibt keine Lösung von der Stange. Man muss Systeme sehr genau auf Einsatzprofile, Energiebedarf und Infrastruktur abstimmen. Das ist unsere Stärke.
Wie realistisch ist der Markthochlauf?
Bert van Hasselt: Der Markt kommt. Die Frage ist nicht das Ob, sondern das Wann und Wo.
Wie profitiert die Business Unit NewTech von DEUTZ und umgekehrt?
Jan Rénevier: DEUTZ ist im Markt für Dieselmotoren sehr etabliert. Die Kompetenzen und die Strahlkraft der Marke DEUTZ helfen uns bei der Marktbearbeitung. Unsere Kunden könnten wahrscheinlich auch mit einem Start-up-Unternehmen ihre Maschinen elektrifizieren, aber eben nicht in großer Stückzahl, nicht industrialisiert, nicht mit einem hohen Standard an Qualität, nicht mit der Power und nicht mit dem weltweiten Servicenetzwerk, das DEUTZ mitbringt. Wir profitieren von den anderen Business Units, genauso wie die anderen Business Units auch von uns profitieren, denn wir öffnen Türen zu neuen Anwendungen und Kundengruppen.
