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NEUE TECHNOLOGIEN SIND DER SCHLÜSSEL

MEHR ALS 3.200 UNTERNEHMEN SIND IM VDMA, DEM SPRACHROHR DES DEUTSCHEN MASCHINENBAUS, VERTRETEN. AN SEINER SPITZE STEHT CARL MARTIN WELCKER, UNTERNEHMER AUS KÖLN, DER KLARE WORTE FINDET, BEISPIELSWEISE ZUR BEPREISUNG VON CO2. DEUTZWORLD SPRACH MIT IHM ÜBER AKTUELLE THEMEN.

Herr Welcker, wie wird Ihr Vorschlag, einen Preis auf Kohlendioxid zu erheben, innerhalb der Mitgliedsunternehmen des VDMA angenommen?

Der VDMA setzt sich seit Langem für eine vernünftige Bepreisung von Treibhausgasen ein. Dahinter steckt die Idee, dass wir dem Klimawandel am besten mit marktwirtschaftlichen Methoden begegnen. Dazu muss ein Preis gefunden werden, der in seiner Höhe eine Lenkungswirkung ausübt, die letztlich zur Vermeidung von CO2 führt. Hierzu haben wir ein Gutachten erstellen lassen, in dem errechnet wurde, dass, wenn wir die Steuern und Abgaben, die auf den unterschiedlichen Energieträgern wie Strom, Heizöl oder Benzin und Diesel lasten, aufkommensneutral nach CO2-Verursachung umverteilen, eine Tonne CO2 einen Preis von 110 Euro erhält. Strom würde demnach billiger, Benzin und Diesel ein wenig teurer, Heizöl deutlich teurer. An der Gesamtbelastung für die Verbraucher ändert sich nichts.

Wie würde sich Ihrer Meinung nach eine CO2-Bepreisung auf die Branche auswirken?

Die Auswirkungen einer CO2-Bepreisung wirken eher mittelbar über unsere Abnehmerbranchen auf den Maschinenbau. Im Maschinenbau wird nur in geringem Umfang CO2 emittiert. Je nach Produkt ist der CO2-Footprint der einzelnen Maschinenbauer natürlich sehr unterschiedlich. Unsere Berechnungen zeigen, dass eine Bepreisung entsprechend unserem Gutachten bei vielen Unternehmen zu Entlastungen führt.

Wie beurteilen Sie innovative Antriebslösungen wie beispielsweise die Elektromobilität oder alternative Kraft stoffe vor dem Hintergrund der angestrebten Klimaziele der EU für 2030?

In neuen Technologien liegt der Schlüssel für einen effizienten Klimaschutz. Ohne neue Lösungen sind die Klimaziele von Paris 2050 nicht erreichbar. Die von der EU vorgegebenen Klimaziele 2030 sind sehr ehrgeizig und bedürfen enormer finanzieller Anstrengungen. Der Steuerzahler darf von der Politik erwarten, dass die begrenzten Haushaltsmittel dort eingesetzt werden, wo sie am meisten bewirken.

Wasserstoffbasierte Antriebe, E-Fuels oder auch elektrische Antriebe sind zurzeit noch sehr teuer und in vielen Anwendungen noch nicht wettbewerbsfähig. Gerade bei der Elektromobilität besteht die Gefahr, dass diese insbesondere für den innerstädtischen Verkehr hervorragende Antriebsart nun verfrüht eingeführt wird, nämlich bevor es eine vernünftige Infrastruktur gibt und bevor der Strommix überhaupt eine merkliche CO2-Reduktion durch E-Fahrzeuge ermöglicht. Das Risiko ist groß, dass hierdurch die gesellschaftliche Akzeptanz verspielt wird. Wir brauchen beim Verkehr eine technologieoffene und marktwirtschaftliche Vorgehensweise. Insofern sollte sich die Politik darauf beschränken, vernünftige Rahmenbedingungen zu setzen, und ansonsten den Bürgern die Entscheidung überlassen, was für sie die beste Lösung ist. Hier schließt sich dann wieder der Kreis zu einer vernünftigen Bepreisung von Treibhausgasen.

Zur Person

Carl Martin Welcker absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Maschinenschlosser. Anschließend studierte er Wirtschaftsingenieurwesen. Nach seinem Studienabschluss arbeitete er für den Werkzeugmaschinenbauer Klingelnberg Söhne und einen amerikanischen Messer- und Sägenhersteller. Seit 1993 ist er geschäftsführender Gesellschafter der Alfred H. Schütte GmbH & Co. KG, Köln. Carl Martin Welcker engagiert sich in diversen Ehrenämtern und ist seit November 2016 Präsident des VDMA.